Ökosystembasierte Transformation der Forstwirtschaft

Positionen, Dokumente, Medien

Die Forstwirtschaft in Deutschland hat Tradition. Zu dieser Tradition gehörte stets Veränderung und Anpassung an veränderte Rahmenbedingungen. Wir setzen uns dafür ein, dass moderne Forstwirtschaft unter Berücksichtigung aktueller Konzepte und Ergebnisse aus Ökosystemtheorie und -forschung betrieben wird. Die Notwendigkeit der Anpassung an den Klimawandel bedeutet, dass alle erprobten Praktiken auf den Prüfstand müssen.

Für den Wald ist dem Konzept eines ganzheitlichen Ökosystemmanagements zu folgen - statt einer einseitig betriebswirtschaftlich orientierten Forstwirtschaft, die sich den aus der Ökologie ergebenden Anforderungen widersetzt. Vielmehr sind Waldbewirtschaftung, Wildtiermanagement, die Förderung des Landschaftswasserhaushalts und Naturschutz zusammenzudenken.

 

Zu einem ganzheitlichen Wald-Ökosystemmanagement gehören die Beachtung aller vom Wald erbrachten Ökosystemleistungen, die Berücksichtigung der Tatsache, dass der Wald selbst lebendes und totes Holz für sein Funktionieren benötigt, die angemessene Beteiligung der Bevölkerung sowie das Anerkennen von Obergrenzen für die Nutzholzentnahme. Ausmaß und Praktiken der Waldbewirtschaftung müssen sich vorrangig an den - sich dynamisch verändernden - ökologischen Standortbedingungen und den hieraus erwachsenden Anforderungen orientieren und keinesfalls an Nachfrage, ökonomischer Effizienz bzw. verfügbarer Technik. Ein solches Waldökosystemmanagement schließt ein angemessenes Risikomanagement ein, um Produktions- und Ernteausfällen bzw. Waldverlusten durch Feuer, Sturm und Kalamitäten vorzubeugen.

Interview mit Pierre Ibisch im Kontext des Nationalen Waldgipfels und des Rettungsplans für den Wald in Deutschland im Rahmen eines Berichts des heute journals vom 25.9.2019

Heute Journal-Interview mit Claus Kleber zum nationalen Waldgipfel (25.9.2019)

Deutsche Welle, September 2019: "Die Brüder Grimm machten die altdeutschen Wälder weltbekannt. Wir machen sie kaputt, laut Experten. Monokulturen, Beräumung, Besprühen und kein Gesamtkonzept für Ökosystemmanagement. Wie passt das mit der steigender Popularität von Holz zusammen?"

ZDF-Beitrag zur aktuellen Gefährdung des Waldes und zur Notwendigkeit einer veränderten Bewirtschaftung (vom 30.10.2018)

Siehe auch unsere Vorhaben Gläserner Forst und CleverForst (englisch)

+++ Gestresste Waldökosysteme 2019: Waldbewirtschaftung in der Krise +++

taz-Artikel Ökologische Forstwirtschaft: Waldumbau in der Krise

Pierre Ibisch: „Nur aus kurzfristig-ökonomischer Perspektive ist dies ein Problem. Langfristig rentiert sich das. Leider muss ein Förster heute mutig sein, wenn er weniger eingreift und den Wald selber machen lässt“ ...

 

Interview INFOradio rbb 29. Juni 2019

Wie sich der Wald nach einem Brand regenerieren kann" (...) Aktuell werde im Waldstück das Totholz stehengelassen, denn es speichere Feuchtigkeit und biete Schatten. Damit könne auch ein natürlicher Regenerationsprozess in Gang kommen und im Schatten keimen kleine, nachwachsende Bäume. "Wir wollen schauen, was passiert, wenn man gar nichts macht", sagt der Professor. Das Ziel sei, herauszufinden, welche Maßnahmen die besten seien um eine natürlich Sukzession in Gang zu setzen.

Die verbrannten Flächen lieferten auch Hinweise auf einen natürlichen Brandschutz im Wald. Beispielsweise sei deutlich geworden, dass Mischwälder sich gegenseitig vor einem völligen Abbrennen schützen können. Laubbäumen unterhalb der Nadelbäume könnten das Feuer bremsen, so Ibisch. Sie enthielten mehr Feuchtigkeit und können sogar nach einem Brand wieder austreiben, da sie unterirdisch überlebt hätten."

Veranstaltung der Grünen-Fraktion im Deutschen Bundestag 

Die Lunge des Planeten retten – Waldschutz zwischen Berlin und Brasilien

Podiumsdiskussion u.a. mit Pierre Ibisch (14. Juni 2019)

(Foto: Christoph Nowicki)

+++ Dürrejahr 2018 +++

Zehn Empfehlungen zum Waldumbau und einer ökosystembasierten Transformation der Forstwirtschaft
Nach der außergewöhnlichen Dürre und Hitzeperiode des Sommers 2018 stehen die Waldökosysteme und auch die von ihrem Funktionieren abhängige Forstwirtschaft vor großen Herausforderungen. Allein die große Zahl von Bränden hat gezeigt, dass vor allem die Nadelholzmonokulturen ein riskantes Bewirtschaftungsmodell darstellen. Die stark geschwächten Wälder dürften zukünftig auch eine gesteigerte Verwundbarkeit gegenüber weiteren Extremereignissen wie etwa Stürmen sowie Schädlingen und Krankheiten aufweisen. Das Risiko von ökologischen und auch betriebs- bzw. volkswirtschaftlichen Schäden kann je nach Witterungsverlauf in den kommenden Jahren noch erheblich steigen. Es muss nunmehr endlich entschiedener auf Grundlage des verfügbaren Wissens gehandelt werden. Zehn Empfehlungen, d
Zehn_Empfehlungen_Waldökosystemmanagemen[...]
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Eine Version dieser Empfehlungen wurde im Februar 2019 vom naturmagazin veröffentlicht ((naturmagazin, 33. Jahrgang - Nr. 1, Februar bis April 2019, S. 10-12; online-Version des Artikels: Wälder im Klimawandel - was zu tun und zu lassen ist). Dieser Beitrag wurde auch am 23.2.2019 im Schattenblick veröffentlicht.

Ten recommendations for forest restructuring and an ecosystem-based transformation of forest management
After the extraordinary drought and heat period of summer 2018, forest ecosystems and forest management, which depends on their functioning, face major challenges. The large number of fires alone has shown that coniferous monocultures in particular represent a risky management model. The severely weakened forests are also likely to show increased vulnerability to other extreme events such as storms, pests and diseases in the future. The risk of ecological, business and economic damage may increase considerably in the coming years, depending on weather conditions. It is now time to act more decisively on the basis of available Knowledge ...
Ten recommendations for the ecosystem-ba[...]
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Frankfurter Allgemeine Zeitung (3.9.2018): Unter allen Wipfeln ist keine Ruh von Pierre Ibisch
Um den Wald wird gestritten. Und damit um unser Land. Es geht um Ressourcen, Fläche und um unsere Verantwortung für die Natur. Große Aufgaben. Komplexe ökologische Zusammenhänge stören dabei leicht. Das ist höchst fahrlässig ...
Ibisch_Unter allen Wipfeln ist keine Ruh[...]
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+++ Von alten Wäldern lernen ... Fernsehberichte über unsere Forschungen zur Bedeutung von 'Urwäldern' und mikroklimatischen Untersuchungen in verschiedenen Waldbständen +++

Text von Pierre Ibisch in politische ökologie 132, 2013

300 Jahre 'Sylvicultura oeconomica'. Ist der Wald ein Pflegefall?

Im deutschen Wald vertrauen Forstwirte traditionell wenig auf natürliche Prozesse. Und sogar aktuelle ökologische Bewirtschaftungsformen unterschätzen, wie komplex das Waldökosystem ist, das nicht nur unter konventionellen Stressfaktoren leidet, sondern nun auch noch unter dem Klimawandel.

 

Mit seiner „Sylvicultura oeconomica“ verfasste der sächsische Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz anlässlich der unübersehbaren Holzressourcenkrise im Jahre 1713 einen Weckruf, der dank aufgeschlossener Entscheidungsträger zur Entwicklung einer geregelten und wissenschaftsbasierten Forstwirtschaft führte. Das 300-jährige Jubiläum soll Anlass sein für eine kritische Betrachtung dieser Mutter aller nachhaltigen Disziplinen. Von Carlowitz´ Nachhaltigkeitsprinzip, wonach von erneuerbaren Rohstoffen wie Holz im Sinne zukünftigen Wohlstands respektive im Interesse zukünftiger Generationen nur so viel entnommen werden sollte, wie auch nachwächst, ist bestechend einfach. Zumindest wenn die Nachfrage sehr hoch ist, ist seine praktische Umsetzung allerdings alles andere als trivial. Tatsächlich verlief die Wiederherstellung und Mehrung der deutschen Wälder nicht allein deshalb erfolgreich, weil die Förster lernten, die Wälder effizienter zu bewirtschaften und der Regeneration der benutzten Forste auf die Sprünge zu helfen. Vielmehr kam ihnen im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts der technologische Fortschritt zu Hilfe, der die Nutzung und Nutzbarmachung fossiler Energieträger beflügelte [Zum Text]...