Ökosystembasierte Transformation der Forstwirtschaft

Positionen, Dokumente, Medien

Die Forstwirtschaft in Deutschland hat Tradition. Zu dieser Tradition gehörte stets Veränderung und Anpassung an veränderte Rahmenbedingungen. Wir setzen uns dafür ein, dass moderne Forstwirtschaft unter Berücksichtigung aktueller Konzepte und Ergebnisse aus Ökosystemtheorie und -forschung betrieben wird. Die Notwendigkeit der Anpassung an den Klimawandel, aber vor allem auch die veritable aktuelle Waldkrise bedeuten, dass alle erprobten Praktiken auf den Prüfstand müssen.

Für den Wald ist dem Konzept eines ganzheitlichen Ökosystemmanagements zu folgen - statt einer einseitig betriebswirtschaftlich orientierten Forstwirtschaft, die sich den aus der Ökologie ergebenden Anforderungen widersetzt. Vielmehr sind Waldbewirtschaftung, Wildtiermanagement, die Förderung des Landschaftswasserhaushalts und Naturschutz zusammenzudenken.

 

Zu einem ganzheitlichen Wald-Ökosystemmanagement gehören die Beachtung aller vom Wald erbrachten Ökosystemleistungen, die Berücksichtigung der Tatsache, dass der Wald selbst lebendes und totes Holz für sein Funktionieren benötigt, die angemessene Beteiligung der Bevölkerung sowie das Anerkennen von Obergrenzen für die Nutzholzentnahme. Ausmaß und Praktiken der Waldbewirtschaftung müssen sich vorrangig an den - sich dynamisch verändernden - ökologischen Standortbedingungen und den hieraus erwachsenden Anforderungen orientieren und keinesfalls an Nachfrage, ökonomischer Effizienz bzw. verfügbarer Technik. Ein solches Waldökosystemmanagement schließt ein angemessenes Risikomanagement ein, um Produktions- und Ernteausfällen bzw. Waldverlusten durch Feuer, Sturm und Kalamitäten vorzubeugen.

Beitrag zur Brandenburger Waldkonferenz

Waldentwicklung und Ökosystemleistungen im Klimawandel - Empfehlungen für einen strategischen und ökosystembasierten Umgang mit der Waldkrise

Auf Grundlage dieser Befunde und Erfahrungen mit der Reaktion forstlicher Akteure auf die Waldkrise und Kalamitäten werden hier Empfehlungen zu einem ökosystembasierten Umgang mit dem Wald gegeben. Es braucht eine ganzheitliche Klimawandel-Wald-Land-Strategie.

Waldentwicklung und Ökosystemleistungen im Klimawandel
Aktuelle waldökologische Ergebnisse und Schlussfolgerungen aus Brandenburg.
Empfehlungen für einen strategischen und ökosystembasierten Umgang mit der Waldkrise
IbischBlumröder_Waldentwicklung und Ökos[...]
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Rettet den Wald! Was hilft gegen Trockenheit,

Schädlinge und Kahlschlag?

ARD: Sendung Planet Wissen mit Pierre Ibisch als Studiogast (Oktober 2020)

Planet Wissen 06.10.2020 58:55 Min. (Verfügbar bis 06.10.2025 SWR)

Wissenschaftler und Forstwirte schlagen Alarm. Nach zwei Jahren extremer Trockenheit befinden sich viele unserer Wälder in besorgniserregendem Zustand. Nicht nur der Klimawandel, auch Pilze und Schädlinge setzen den Bäumen stark zu. Es rächt sich, dass viele Forstwirte auf schnellwachsende Fichtenmonokulturen anstatt auf klimaresistentere Mischwälder gesetzt haben. Könnte großflächige Aufforstung mit Mischwäldern, vielleicht auch neuen, robusteren Baumarten dem Wald helfen?

 

Karbonisierung der Waldbewirtschaftung

Im Angesicht der aktuellen Waldkrise entdecken viele Waldakteure ihre Affinität zum Klimaschutz. Dabei wird häufig reduktionistisch argumentiert und einseitig auf den Kohlenstoffgehalt der Wälder geschaut. Zudem versuchen einige Autoren zu beweisen, dass die Nutzung von Wäldern einen besseren Beitrag zum Klimaschutz darstellt als deren Unterschutzstellung und Nichtnutzung. Eine aus verschiedenen Gründen problematische und auch unkluge Diskussion. In ihrem Rahmen wurden inzwischen auch von renommierten Autoren methodisch falsche Berechnungen präsentiert. Hierzu gibt es einen Austausch von Positionen, an dem wir uns aktiv beteiligen.

Waldschutz ist besser für das Klima als die Holznutzung Studie des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie mehrfach widerlegt
Das Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena verbreitete im Februar 2020 eine Studie, die zeigen sollte, dass nachhaltig bewirtschaftete Wälder das Klima besser schützen als unbewirtschaftete Wälder. Der wichtigste Beitrag nachhaltiger Wirtschaftswälder der gemäßigten Klimazone sei das Ersetzen fossiler Brennstoffe durch die energetische Nutzung von Holz. Die Befunde der in Global Change Biology – Bioenergy veröffentlichten Studie von Pro-fessor Ernst-Detlef Schulze und Kolleg*innen wurden nunmehr durch drei unabhängig voneinander entstandene Publikationen in derselben Zeitschrift widerlegt.
PM_20200810_Waldschutz.pdf
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Reaktion auf die Stellungnahme des Thünen-Instituts für Waldökosysteme „Kurzfristige Klimaschutzvorteile von Waldschutz oder Waldnutzung zur Bioenergieerzeugung weiterhin unklar“
Das Thünen-Institut für Waldökosysteme legte eine Stellungnahme zu einem international publizierten Austausch von Positionen vor (Welle et al. 2020 vs. Schulze et al. 2020a). Dieser Austausch befasst sich mit der Thematik der Klimaschutzwirkung von energetischer Holznutzung im Vergleich zum Belassen von Holz im Wald. Bolte und Rock kommen zu einem vermeintlichen Urteil bezüglich der Gültigkeit der diversen Positionen. In diesem Papier weisen wir die Stellungnahme des Thünen-Instituts als sachlich unangemessen sowie irreführend zurück und kommentieren die für die Diskussion relevanten Zahlen und Berechnungen.
NWA-CEEM_WWA_Reaktion_auf_Stellungnahme [...]
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Fernsehbeiträge zum Umgang mit der Waldkrise

In verschiedenen Medien warb Pierre Ibisch im Sommer 2020 für einen ökosystembasierten Ansatz der Waldbewirtschaftung. Eine Auswahl:

SWR: "Was hilft dem Wald in Not? Expertinnen und Experten streiten darüber. Beim Kampf gegen den Borkenkäfer und überhaupt. Der Waldökologe Prof. Pierre Ibisch plädiert dringend dafür, vom Borkenkäfer befallenes Holz im Wald liegen zu lassen und es als Teil des Ökosystems Wald zu begreifen. Seine Kritik am Katastrophen-Management im Wald ist grundsätzlicher Art. Vor allem die industrielle Form der Holzwirtschaft sei ein wichtiger Grund dafür, dass die Wälder äußerst empfindlich auf den Wandel des Klimas, auf Trockenheit und Hitzephasen reagierten. "Wir müssen aufhören, den Wald als Plantage zu sehen. Stattdessen sollten wir mehr naturnahen Wald zulassen". Er fordert eine andere Art der Forstwirtschaft. Es gelte, einen Systemwechsel zu schaffen. Friedbert Ritter und Piere Ibisch sorgen sich beide um den Wald und wollen ihn retten. Aber jeder auf seine Art. Die SWR Autoren Kai Diezemann und Manfred Ladwig begleiten die beiden Waldexperten. Sie machen sich auf eine Spurensuche. Sprechen mit Försterinnen und Förstern, Forscherinnen und Forschern sowie Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern. Sie gehen der Frage nach: Was hilft dem grünen Patienten? Wie könnte er aussehen, der Wald der Zukunft?"

MDR: "Deutschland sucht den Superbaum - Wie retten wir unsere Wälder? - Dürre, Hitze und Schädlinge setzen unseren Bäumen zu. Wie sollte der Wald der Zukunft aussehen, um gewappnet zu sein? Wir diskutieren mit einem Experten für Nachhaltigkeit, Waldbesitzerinnen und Sachsens Umweltminister."

Waldkrise als Wissenskrise als Risiko

Dem Wald in Deutschland geht es schlecht, spätestens im Sommer 2019 sprach es sich herum. Im Jahr 2018 war die Situation bereits kritisch, außergewöhnliche Wärme und Trockenheit machten vielen Bäumen zu schaffen. Das Jahr 2019 war in manchen Regionen etwas weniger trocken, wartete aber mit Hitzerekorden auf und verschärfte die Lage dramatisch. Das Wort „Waldsterben“ wurde reaktiviert, welches die deutsche Öffentlichkeit in den 1980er Jahren in Atem hielt. Vom „Waldsterben 2.0“ sprachen Umweltverbände und etliche Medien. Wer sich etwas intensiver für den Wald interessierte, der hatte gerade noch Akteure wie das Bundeslandwirtschaftsministerium oder Privatwaldbesitzerverbände das Gegenteil verkünden hören: „Dem Wald geht es gut …“ (…) Was ist eigentlich passiert? Stirbt der Wald wirklich? Schon wieder? Waldsterben oder Waldkrise? Wie ist die Krise zu bewältigen? Ist der Klimawandel schuld? Welche „klimatoleranten“ Bäume müssen gepflanzt werden, und wie sieht der Wald der Zukunft aus? Dies sind nunmehr häufig gestellte Fragen, auf die teilweise in großer Hektik durchaus auch widersprüchliche Antworten gegeben werden. Warum hat uns diese Waldkrise eigentlich überrascht, wenn doch die Forstpartie stets betont, wie langfristig sie denkt? Inwiefern steht die Waldkrise – pars pro toto – für eine noch größere Ökosystemkrise oder auch für gesellschaftliches Versagen im Umgang mit unseren Lebensgrundlagen, und was gilt es zu lernen?

Waldkrise als Wissenskrise als Risiko
IBISCH, P.L. & J.S. BLUMRÖDER (2020): Waldkrise als Wissenskrise als Risiko. Universitas 888: 20-42.
IbischBlumröder_Waldkrise als Wissenskri[...]
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Für einen ökosystembasierten Umgang mit der Waldkrise

In der aktuellen Waldkrise drängen forstliche Akteure auf aktive Umgestaltung der Wälder, um mit „neuen Ökosystemen“ dem Klimawandel besser trotzen zu können. Die theoretische und empirische Untermauerung dieses Ansatzes ist dürftig. Gleichzeitig wird behauptet, dass heimische Baumarten vom Klimawandel überfordert würden – die tatsächliche Komplexität der Ökosysteme und die Grundlagen der ökologischen Funktionalität scheinen dabei unterschätzt zu werden. Eine ökosystembasierte Waldbewirtschaftung ist nicht rückwärtsgewandt, sondern ergebnisoffen. Sie priorisiert die Förderung der Selbstregulations- und Selbstorganisationsfähigkeit der Ökosysteme. Veröffentlichung in Ländlicher Raum.

Für einen ökosystembasierten Umgang mit der Waldkrise. Ländlicher Raum, Agrarsoziale Gesellschaft (Juni 2020)
IbischBlumröder_LR0220_Für einen ökosyst[...]
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Waldgutachten 2020 statt Waldstrategie 2050

 

Kritik an Stellungnahme des Wissenschaftlichen Beirats für Waldpolitik des Landwirtschaftsministeriums

 

Anlässlich der Tagung „Sind unsere Wälder noch zu retten?“ des Bundesamts für Naturschutz nimmt ein Autorenkollektiv aus Mitarbeiter*innen der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, der Naturwald Akademie, der Deutschen Umweltstiftung sowie von Wohllebens Waldakademie zum Eckpunktepapier des Wissenschaftlichen Beirats für Waldpolitik des Bundesministeriums für Landwirtschaft und Ernährung Stellung.

 

Der Wissenschaftliche Beirat für Waldpolitik des Bundeslandwirtschaftsministeriums (WBW) hat eine Stellungnahme zum Eckpunkte-Papier „Waldstrategie 2050“ der Bundesregierung vorgelegt, welche die Diagnostik und v.a. die vorgeschlagenen Strategien zum Umgang mit der Waldkrise in Deutschland konkretisiert.

 

Eine Waldstrategie 2050 ist, wenn sie sich auf die Zukunft in 30 Jahren bezieht, ihren Namen nicht wert, da derzeitig – wegen der ausgeprägten Waldkrise - nicht einmal fünf Jahre in die Zukunft des Waldes in Deutschland gesehen werden kann.

 

Der WBW versäume eine kritische Aufarbeitung der Fehler in der vergangenen Waldbewirtschaftung. Es bestehe das Risiko dass neue gravierende Fehler gemacht würden. Explizit lege der Wissenschaftliche Beirat für Waldpolitik in seinem Dokument etwa eine Abkehr von Grundsätzen der naturnahen Waldbewirtschaftung nahe. Dies bedeute unter anderem, dass der WBW eine stärkere Nutzung, eine Absenkung der Vorräte und des Alters der Wälder vorschlägt. Naturverjüngung und einheimische Arten sollten laut WBW eine deutlich geringere Rolle bei der Waldentwicklung spielen.

 

Es wird auch kritisiert, dass der Beirat diverse internationale Studien nicht berücksichtigt, die eine stärkere Nutzung der Wälder als Option für den Klimaschutz überaus kritisch sehen.

 

Risiken, die sich aus den vom Beirat vorgeschlagenen Strategien ergeben und auch mit den aktuellen Räumungskahlschlägen zur Beseitigung von Schadholz und den Neupflanzungen auf Kahlflächen ergäben, würden nicht behandelt.

 

Das Autorenkollektiv fordert die Erarbeitung eines ‚Nationalen Waldgutachtens 2020‘ unter Einbeziehung aller relevanter wissenschaftlicher Disziplinen, welches eine ausgewogene Entscheidungsgrundlage für den Umgang mit der Waldkrise bereitstellen soll. Es geht dabei um eine aktuelle Darstellung von wissenschaftlichem Konsens und Dissens zum Zustand der Waldökosysteme und künftiger Risiken als Entscheidungsgrundlage für das kurzfristige Management, für die Orientierung der Waldpolitik sowie für die Diskussion einer langfristigen Waldstrategie mit Akteur*innen und Bürger*innen.

 

Eckpunkte zur Waldstrategie 2050 Kommentierung der Positionen des Wissenschaftlichen Beirat für Waldpolitik des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft.
Ibisch, P.L., T. Welle, J.S. Blumröder, T. Wohlleben & J. Sommer (2020): Eckpunkte zur Waldstrategie 2050 Kommentierung der Positionen des Wissenschaftlichen Beirat für Waldpolitik des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. ePaper - Centre for Econics and Ecosystem Management/HNEE, Naturwald Akademie, Deutsche Umweltstiftung, Wohllebens Waldakademie. Eberswalde, Berlin, Lübeck, Wershofen. 42 S.
ePaper_Eckpunkte zur Waldstrategie 2050_[...]
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Die vergebliche Suche nach dem Superbaum

Das im Auftrag des agrarpolitischen Sprechers der Grünen im EU-Parlament Martin Häusling von Stephan Börnecke erstellte Dossier "Die vergebliche Suche nach dem Superbaum" zitiert Beiträge von Pierre Ibisch und übernimmt Forderungen nach einer ökosystembasierten Orientierung der Waldbewirtschaftung. In einem Webinar war Pierre Ibisch gemeinsam mit dem MdEP Martin Häusling, dem NABU-Präsidenten Jörg-Andreas Krüger sowie Diana Pretzell vom WWF Diskussionsteilnehmer im Rahmen der Studienvorstellung

 

Gespräch mit dem Naturforscher Pierre Ibisch über das Waldsterben

Martin-Maria Schwarz, hr2-kultur Kulturcafé, 14.05.2020, 17:10 Uhr 

In Zeiten von großen Dürreperioden und Klimawandel sind die Funktionen, die der Wald erfüllt, für uns alle wichtiger denn je: Reinhaltung der Luft, Auffangen des Wassers, Kühle und die Erholung, die er uns bietet, müssen erhalten werden. Aber wie gehen wir mit ihm um? Der Biologe Pierre Ibisch ist Professor an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde und er sieht ein Problem u.a. in der Holzwirtschaft: deren Interessen und eine nachhaltige Waldbewirtschaftung passen seiner Ansicht nach oft nicht zusammen: Monokulturen, Abtransport von Totholz und Waldschneisen für die Baumfällarbeiten widersprechen einem zukunftsgerichteten Umgang mit dem Wald. Wie könnte der aussehen? Und wer soll ihn bezahlen? Fragen an Pierre Ibisch.

"Totes Holz ist wertvoller Rohstoff für den Wald"

WDR 5 Mittagsecho 24.04.2020 04:37 Min.  WDR 5

Kurzfristig gehe es bei der Waldrettung darum, Wälder so umzubauen, dass sie resilienter werden, sagt Naturschutzforscher Pierre Ibisch. Aber der Umbau berge durch Kahlschlagung auch das Risiko, eine schwierige Situation noch zu verschlechtern.

Staubtrockener Nutzwald nach wochenlanger Apriltrockenheit (bei Eberswalde, 17.4.20, P. Ibisch)

Klimaschutz auf dem Holzweg

Auftritt von Pierre Ibisch und Lutz Fähser in einem kritischen Bericht zur energetischen Nutzung von Holz von Frontal21, ZDF (April 2020). 

 

Flankierend haben das Centre for Econics and Ecosystem Management, die Naturwald Akademie und die Deutsche Umweltstiftung ein ePaper zum Thema der Klimaneutralität von Holzverbrennung herausgegeben.

Hintergrundpapier anlässlich des Filmbeitrags „Klimaschutz auf dem Holzweg Wird unser Wald verheizt?“ von Güven Purtul (Frontal 21, ZDF)
Die Annahme, dass die Nutzung des Waldes und der Holzverbrauch einen Beitrag zum Klimaschutz darstellen, ist weit verbreitet und auch in der aktuellen Diskussion zur Waldkrise in aller Munde. Inzwischen wird sogar im Namen des Klimaschutzes offensiv gegen Wald-Schutzgebiete argumentiert. Natürliche Wälder und Naturschützer werden regelrecht als Klimaproblem dargestellt. Derartige Positionen sind nicht durch Fakten oder wissenschaftliche Studien abgesichert. Vielmehr ignorieren sie sogar überaus deutliche Befunde. In diesem Hintergrundpapier werden entsprechende wissenschaftliche Ergebnisse zusammengefasst ...
ePaper_Holzverbrennung ist nicht klimane[...]
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Pierre Ibisch als Einzelsachverständiger im Deutschen Bundestag: "Der Sachverständige sah eine veritable Systemkrise, die von vielen Experten unterschätzt werde. Allzu simple Lösungsvorschläge seien zu kritisieren, denn der Klimawandel mache derzeit unter den vorherrschenden Bedingungen und eingetretenen Ereignissen Vorhersagen unmöglich" (Berichterstattung des Deutschen Bundestags zu öffentlicher Anhörung zum Thema der Waldkrise, 11.11.2019).

Deutscher Bundestag Stellungnahme des Einzelsachverständigen Prof. Dr. Pierre Ibisch (Ausschussdrucksache 19(19)289-A)
(Anhörung am Montag, den 11. November 2019, 12:30 Uhr bis ca. 14:30 Uhr, Paul-Löbe-Haus, Konrad-Adenauer-Straße 1 , 10557 Berlin, Saal PLH 4.900)
Umgang mit der aktuellen extremwetterbedingten Waldkrise anlässlich der öffentlichen Anhörung des Deutschen Bundestages zu den folgenden Beschlussanträgen:
Beschlussantrag der Fraktion der FDP vom 7.5.2019, „Wälder erhalten durch effektiven Waldschutz“, Deutscher Bundestag, Drucksache 19/11093
Beschlussantrag der Fraktion DIE LINKE vom 25.6.2019, „Naturgemäße Waldbewirtschaftung im Interesse des Waldes und der Forstleute“, Deutscher Bundestag, Drucksache 19/11104
Beschlussantrag der Fraktionen der CDU/CSU und SPD vom 25.6.2019, „Unser Wald braucht Hilfe – Waldumbau vorantreiben“, Deutscher Bundestag, Drucksache 19/11093
Be
Umgang mit der aktuellen extremwetterbed[...]
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Eingangsstatement Pierre Ibisch, Anhörung zum Wald im Deutschen Bundestag, 11.11.2019
Ibisch_Mündliche Stellungnahme zur Anhör[...]
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Interview mit Pierre Ibisch im Kontext des Nationalen Waldgipfels und des Rettungsplans für den Wald in Deutschland im Rahmen eines Berichts des heute journals vom 25.9.2019

Heute Journal-Interview mit Claus Kleber zum nationalen Waldgipfel (25.9.2019)

Deutsche Welle, September 2019: "Die Brüder Grimm machten die altdeutschen Wälder weltbekannt. Wir machen sie kaputt, laut Experten. Monokulturen, Beräumung, Besprühen und kein Gesamtkonzept für Ökosystemmanagement. Wie passt das mit der steigender Popularität von Holz zusammen?"

ZDF-Beitrag zur aktuellen Gefährdung des Waldes und zur Notwendigkeit einer veränderten Bewirtschaftung (vom 30.10.2018)

Siehe auch unsere Vorhaben Gläserner Forst und CleverForst (englisch)

+++ Gestresste Waldökosysteme 2019: Waldbewirtschaftung in der Krise +++

taz-Artikel Ökologische Forstwirtschaft: Waldumbau in der Krise

Pierre Ibisch: „Nur aus kurzfristig-ökonomischer Perspektive ist dies ein Problem. Langfristig rentiert sich das. Leider muss ein Förster heute mutig sein, wenn er weniger eingreift und den Wald selber machen lässt“ ...

 

Interview INFOradio rbb 29. Juni 2019

Wie sich der Wald nach einem Brand regenerieren kann" (...) Aktuell werde im Waldstück das Totholz stehengelassen, denn es speichere Feuchtigkeit und biete Schatten. Damit könne auch ein natürlicher Regenerationsprozess in Gang kommen und im Schatten keimen kleine, nachwachsende Bäume. "Wir wollen schauen, was passiert, wenn man gar nichts macht", sagt der Professor. Das Ziel sei, herauszufinden, welche Maßnahmen die besten seien um eine natürlich Sukzession in Gang zu setzen.

Die verbrannten Flächen lieferten auch Hinweise auf einen natürlichen Brandschutz im Wald. Beispielsweise sei deutlich geworden, dass Mischwälder sich gegenseitig vor einem völligen Abbrennen schützen können. Laubbäumen unterhalb der Nadelbäume könnten das Feuer bremsen, so Ibisch. Sie enthielten mehr Feuchtigkeit und können sogar nach einem Brand wieder austreiben, da sie unterirdisch überlebt hätten."

Veranstaltung der Grünen-Fraktion im Deutschen Bundestag 

Die Lunge des Planeten retten – Waldschutz zwischen Berlin und Brasilien

Podiumsdiskussion u.a. mit Pierre Ibisch (14. Juni 2019)

(Foto: Christoph Nowicki)

+++ Dürrejahr 2018 +++

Zehn Empfehlungen zum Waldumbau und einer ökosystembasierten Transformation der Forstwirtschaft
Nach der außergewöhnlichen Dürre und Hitzeperiode des Sommers 2018 stehen die Waldökosysteme und auch die von ihrem Funktionieren abhängige Forstwirtschaft vor großen Herausforderungen. Allein die große Zahl von Bränden hat gezeigt, dass vor allem die Nadelholzmonokulturen ein riskantes Bewirtschaftungsmodell darstellen. Die stark geschwächten Wälder dürften zukünftig auch eine gesteigerte Verwundbarkeit gegenüber weiteren Extremereignissen wie etwa Stürmen sowie Schädlingen und Krankheiten aufweisen. Das Risiko von ökologischen und auch betriebs- bzw. volkswirtschaftlichen Schäden kann je nach Witterungsverlauf in den kommenden Jahren noch erheblich steigen. Es muss nunmehr endlich entschiedener auf Grundlage des verfügbaren Wissens gehandelt werden. Zehn Empfehlungen, d
Zehn_Empfehlungen_Waldökosystemmanagemen[...]
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Eine Version dieser Empfehlungen wurde im Februar 2019 vom naturmagazin veröffentlicht ((naturmagazin, 33. Jahrgang - Nr. 1, Februar bis April 2019, S. 10-12; online-Version des Artikels: Wälder im Klimawandel - was zu tun und zu lassen ist). Dieser Beitrag wurde auch am 23.2.2019 im Schattenblick veröffentlicht.

Ten recommendations for forest restructuring and an ecosystem-based transformation of forest management
After the extraordinary drought and heat period of summer 2018, forest ecosystems and forest management, which depends on their functioning, face major challenges. The large number of fires alone has shown that coniferous monocultures in particular represent a risky management model. The severely weakened forests are also likely to show increased vulnerability to other extreme events such as storms, pests and diseases in the future. The risk of ecological, business and economic damage may increase considerably in the coming years, depending on weather conditions. It is now time to act more decisively on the basis of available Knowledge ...
Ten recommendations for the ecosystem-ba[...]
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Frankfurter Allgemeine Zeitung (3.9.2018): Unter allen Wipfeln ist keine Ruh von Pierre Ibisch
Um den Wald wird gestritten. Und damit um unser Land. Es geht um Ressourcen, Fläche und um unsere Verantwortung für die Natur. Große Aufgaben. Komplexe ökologische Zusammenhänge stören dabei leicht. Das ist höchst fahrlässig ...
Ibisch_Unter allen Wipfeln ist keine Ruh[...]
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+++ Von alten Wäldern lernen ... Fernsehberichte über unsere Forschungen zur Bedeutung von 'Urwäldern' und mikroklimatischen Untersuchungen in verschiedenen Waldbständen +++

Text von Pierre Ibisch in politische ökologie 132, 2013

300 Jahre 'Sylvicultura oeconomica'. Ist der Wald ein Pflegefall?

Im deutschen Wald vertrauen Forstwirte traditionell wenig auf natürliche Prozesse. Und sogar aktuelle ökologische Bewirtschaftungsformen unterschätzen, wie komplex das Waldökosystem ist, das nicht nur unter konventionellen Stressfaktoren leidet, sondern nun auch noch unter dem Klimawandel.

 

Mit seiner „Sylvicultura oeconomica“ verfasste der sächsische Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz anlässlich der unübersehbaren Holzressourcenkrise im Jahre 1713 einen Weckruf, der dank aufgeschlossener Entscheidungsträger zur Entwicklung einer geregelten und wissenschaftsbasierten Forstwirtschaft führte. Das 300-jährige Jubiläum soll Anlass sein für eine kritische Betrachtung dieser Mutter aller nachhaltigen Disziplinen. Von Carlowitz´ Nachhaltigkeitsprinzip, wonach von erneuerbaren Rohstoffen wie Holz im Sinne zukünftigen Wohlstands respektive im Interesse zukünftiger Generationen nur so viel entnommen werden sollte, wie auch nachwächst, ist bestechend einfach. Zumindest wenn die Nachfrage sehr hoch ist, ist seine praktische Umsetzung allerdings alles andere als trivial. Tatsächlich verlief die Wiederherstellung und Mehrung der deutschen Wälder nicht allein deshalb erfolgreich, weil die Förster lernten, die Wälder effizienter zu bewirtschaften und der Regeneration der benutzten Forste auf die Sprünge zu helfen. Vielmehr kam ihnen im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts der technologische Fortschritt zu Hilfe, der die Nutzung und Nutzbarmachung fossiler Energieträger beflügelte [Zum Text]...